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28 Dez. 2011, 6:45
 Kozlenok und Kasper
Oleg Vorotnikov:
“Meine Ehefrau, die Voina-Aktivistin Natalia Sokol lebt jetzt schon seit einem Jahr ohne Papiere. Ihr Personalausweis wurde von einem Polizisten der Spezialeinheit gegen Extremismus des Nordwestlichen Bundesministeriums konfisziert. Sie konfiszierten außerdem ihren Reisepass, ihren Führerschein, ihren Ausweis als wissenschaftliche Assistentin der staatlichen Universität Moskau und ihre Krankenkassenkarte. Neben unzähligen, kleineren Problemen bedeutet dies, dass Natalia keine medizinische Versorgung für ihren zweijährigen Sohn Kasper erhält, da sie sich nicht als seine Mutter ausweisen kann. Sie kann nicht wählen. Am 4. Dezember fanden die Parlamentswahlen statt, an denen sie nicht teilnehmen konnte. Ihre fundamentalen Rechte werden missachtet. Sich innerhalb des Landes zu bewegen, oder auch nur mit ihrem Sohn die öffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen ist unmöglich – Ausweisdokumente sind überall notwendig. Das Kindergeld für Kasper wurde auch eingezogen. Alle Anträge wurden von dem zuständigen Beamten und der Staatsanwaltschaft verweigert. Der Grund für die Verweigerung aller Anträge: die beschlagnahmten Dokumente und Objekte liegen im Interesse der Untersuchungen der Strafsache Nummer 276858. Da weder Natalia noch Kasper offiziell in diese Strafsache involviert sind, scheint es illegal, ihre Dokumente zu konfiszieren und diese Beschlagnahme erscheint wie ein Versuch, Druck auf die Verwandten der Angeklagten auszuüben.”
Natalya Sokol:
“In meinem Auftrag beantragte ein Anwalt bei dem zuständigen Beamten Herrn Borodavkin, die Rückgabe meiner Dokumente und des Kindergeldes für meinen Sohn Kasper. Der Antrag wurde abgelehnt (da sollte eine Kopie unter dem ganzen Material des Falles bei der Polizei sein). Anfang Februar schickte ich daraufhin über die normale Post einen zweiten Antrag an den zuständigen Beamten Herrn Petrov, auf den ich noch immer keine Antwort erhalten habe.”
Source: http://www.berlinbiennale.de/blog/news/oleg-vorotnikov-meine-ehefrau-lebt-jetzt-schon-seit-einem-jahr-ohne-papiere-17351
Tags: Berlin Biennale oleg vorotnikov Natalya Sokol Kasper Nienagliadny Sokol
01 Dez. 2011, 11:45
Artur Żmijewski hat die Gruppe Voina aus Russland und Joanna Warsza aus Warschau zu assoziierten KuratorInnen ernannt, die gemeinsam das Konzept und Programm der 7. Berlin Biennale weiterentwickeln werden.
 Vor und Żmij auf der Newa
Voina
Oleg Vorotnikov (a.k.a. Vor), Natalya Sokol (a.k.a. Kozljonok oder Koza), Leonid Nikolajew (a.k.a. Leo the Fucknut) und Kasper Nienagliadny Sokol
Das KünstlerInnenkollektiv Voina (dt.: Krieg) aus Russland wurde 2005 von Oleg Vorotnikov und Natalya Sokol gegründet. Voina engagiert sich in aktionistischer Straßenkunst, die sich gegen die russischen Autoritäten richtet. Ihre Aktionen werden regelmäßig von einer Vielzahl von anonymen AktivistInnen unterstützt. Gegen die Gruppe und ihre AktivistInnen wurden bereits zahlreiche strafrechtliche Prozesse angestrengt. Zuletzt wurden Mitte Oktober 2011 Natalya Sokol und ihr Sohn Kasper für mehrere Stunden in Arrest genommen. Oleg Vorotnikov, Natalya Sokol, Leonid Nikolajew und Kasper Nienagliadny Sokol verweigern die Verwendung von Geld und leben ohne permanenten Wohnsitz in St. Petersburg. Ihr Credo lautet, wie Natalya Sokol erklärt: „Ein Künstler, der sich dem politischen Bewusstsein verschließt, ist nur ein Designer.“
„Wir gehen nicht davon aus, dass die Gruppe Voina als herkömmliche KuratorInnen agieren werden. Vielleicht werden sie an die Türen von Ateliers klopfen, aber sicher nicht, um Kunstwerke auszuwählen, sondern um uns an das Ethos der KünstlerInnen zu erinnern. Sie gehören zu den letzten wenigen Gläubigen, die eine Kunst ausüben, die einen direkten politischen Auftrag hat. Sie verfolgen ihre eigene, grenzenlose, erratische und ernsthafte Praktik in Russland. Haben sie bereits ihr „bestes Kunstwerk“ geschaffen? Vielleicht der riesige Penis auf der Litiejnyj-Brücke in St. Petersburg? Das glauben wir nicht. Ihr bestes Kunstwerk ist die Erinnerung daran, dass wir uns als die Kunstwelt auf dem Weg befinden, zu einer neoliberalen Elite zu werden, die nur noch an finanziellem Gewinn und der Anhäufung symbolischen Kapitals arbeitet.“
(Artur Żmijewski und Joanna Warsza)
Lesen Sie hier Zitate aus einem Gespräch mit Leonid Nikolajew: http://www.berlinbiennale.de/blog/text/zitate-aus-einem-interview-mit-lonia-jebniety-16754
Weitere Informationen: http://en.free-voina.org
Letzte Aktionen von Voina: Aktion „Dick captured by KGB“. 14. Juni 2010 Aktion „Leo the Fucknut is our President!“. 16.–22. Mai 2010
Joanna Warsza
Joanna Warsza, geboren 1976, ist Kuratorin an der Schwelle von darstellender und bildender Kunst. Nach ihrem Abschluss an der Warschauer Akademie für Theater absolvierte sie ein Aufbaustudium an der Tanzfakultät der Universität Paris 8. Sie ist Mitgründerin der unabhängigen Plattform Laura Palmer Foundation (www.laura-palmer.pl). Joanna Warsza arbeitet überwiegend im öffentlichen Raum, wo sie Projekte kuratiert, die soziale und politische Fragestellungen untersuchen, darunter zur Nicht-Sichtbarkeit der vietnamesischen Gemeinde in Warschau, dem Phänomen der israelischen Jugenddelegationen in Polen oder dem post-sowjetischen Architektur-Erbe im Kaukasus. Gemeinsam mit Krzysztof Wodiczko leitet sie ein Seminar zu Konflikt, Trauma und Kunst an der Warschauer Hochschule für Sozialpsychologie sowie eines zur Performativität in der zeitgenössischen Kultur. Sie hat Projekte unter anderem mit dem Berliner Theater Hebbel am Ufer, dem Museum für Moderne Kunst Warschau, dem AICA Armenien, dem GeoAir Tbilisi, dem Centre Pompidou und der Biennale de Belleville, beides in Paris, organisiert. Außerdem ist sie Herausgeberin des Readers Stadium X – A Place That Never Was. Seit Anfang 2011 arbeitet sie mit Artur Żmijewski an der Entwicklung und Umsetzung des Konzeptes der 7. Berlin Biennale. Joanna Warsza lebt und arbeitet in Berlin und Warschau.
Lesen Sie hier ein Gespräch zwischen Artur Żmijewski und Joanna Warsza: http://www.berlinbiennale.de/blog/text/ausnahmen-universalisieren-16715
Die 7. Berlin Biennale findet vom 27. April bis 1. Juli 2012 statt.
Die Berlin Biennale wird organisiert von den KW Institute for Contemporary Art und gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes.
Press Release Berlin, November 28, 2011
Tags: Joanna Warsza Artur Żmijewski Oleg Vorotnikov Natalya Sokol Leonid Nikolajew Kasper Nienagliadny Sokol Leo the Fucknut Kozljonok Koza Berlin Biennale Russland Warschau
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