05 Jan. 2012, 3:38

2012/01/03 7th Berlin Biennale: Newsletter


Politischer Gefangener Taisiya Osipova

EINE WEITERE GEFÄHRTIN VON VOINA WURDE ZU 10 JAHREN GEFÄNGNIS VERURTEILT
Nachdem sie 13 Monate im Gefängnis auf ihren Urteilsspruch gewartet hatte, musste Taisiya Osipova, 27-jährige Aktivistin der Opposition, am 29. Dezember 2011 weitere 12 Stunden im Gerichtsgebäude ausharren. Dann wurde ihr Urteil verkündet: 10 Jahre Gefängnis.
 
Taisiya Osipova ist politische Aktivistin der Oppositions-Partei „Anderes Russland“ und die Ehefrau von Sergey Fomchenkov, Mitglied des exekutiven Komitees von „Anderes Russland“. Ihre gemeinsame Tochter Katrina ist fünf Jahre alt.
 
Laut glaubwürdiger Quellen wurde der Strafprozess von Taisiya Osipova konstruiert und beinhaltet keinerlei objektiver Beweise. Das Urteil wurde in Abwesenheit von Medien und der Öffentlichkeit verlesen – eine Praxis, die vollkommen gegensätzlich zu der russischen Regel offener Gerichtsverfahren ist.
 
Taisiya Osipova wurde im November 2010 in Smolensk verhaftet. Die Polizei brach in ihr Haus ein und fand angeblich verdächtiges Geld und fünf Päckchen mit weißem Pulver.
 
Normalerweise sind bei diesen polizeilichen Durchsuchungen neutrale Zeugen erforderlich. In diesem Fall hat die Polizei scheinbar Zeugen im Vorhinein ausgewählt, um die Beweise unterschieben zu können.
 
Mitglieder der Polizei haben Taisiya Osipova gegenüber offen mitgeteilt, dass sie vor allem an ihrem Ehemann Sergei Fomchenkov interessiert sind. Ihr wurde die Vermeidung strafrechtlicher Folgen in Aussicht gestellt, wenn sie sich kooperativ verhalte.
 
Viele Menschenrechtsorganisationen, wie das „Committee for the Civil Rights and for Human Rights“ und das „Committee for Children’s Rights“ in der Region von Smolensk sowie Russlands „Federal Penitentiary Service“ haben versucht, Taisiya Osipova zu beschützen, indem sie darauf pochten, dass weder die Öffentlichkeit noch die Staatsanwaltschaft oder der entsprechende Beauftragte Osipovas Involvierung in Drogenhandel glaubhaft nachweisen können.
 
Die gesamte Anklage basiert auf den Aussagen der Zeugen der Hausdurchsuchung. Diese wurden als „streng geheim“ klassifiziert und waren nicht im Gericht anwesend. Daher war es für die Verteidigung unmöglich ihre Vorwürfe zu widerlegen. Darüber hinaus ignorierte Richter Dvoryanchikov eine Reihe nachweisbarer Ungereimtheiten in diesem Fall.
 
Da Osipova an mehreren ernsthaften Krankheiten leidet, darunter Pankreatitis und Diabetes, bedeutet das Urteil für sie den Tod. Es gab keine Bemühungen, sie in ein Gefängniskrankenhaus zu verlegen oder ihr eine angemessene medizinische Versorgung zu gewährleisten.
 
Zusätzlich zu den obigen Anklagen wird versucht Taisia Osipova und ihrem Ehemann Sergeij Fomchenkov das Sorgerecht für die gemeinsame Tochter Katrina zu entziehen. Die Entziehung des Sorgerechts hat keinen legitimierten Grund und ist als Druckmittel gegen Fomchenkov in Zusammenhang mit seinen politischen Aktivitäten zu verstehen.
 
Bis zum Tag der Verhandlung am 29. Dezember 2011, versuchten internationale Menschenrechtsorganisationen in diesen Fall einzugreifen. Die Beschwerden der Strafverteidigerin Svetlana Sidorkina über den Fall von Osipova wurden vor dem europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg anerkannt. Die Beschwerde ist registriert unter der Nummer 41366/11 und wurde als dringlich klassifiziert.
 
Die „World Organization Against Torture“ (OMCT) in Genf hat eine sofortige medizinische Untersuchung und Behandlung für Osipova sowie ihre Freilassung verlangt.
 
Doch scheinbar konnte keiner dieser Appelle helfen.
 
Weitere Informationen:
http://en.free-voina.org/post/14763633893

Tags: Taisiya Osipova Smolensk Berlin Biennale 
29 Dez. 2011, 6:12

2011/12/19 7th Berlin Biennale: Newsletter

Voina Mitglied und Menschenrechts-Aktivist Pusha (Philip Kostenko) ist seit seiner Verhaftung am 6. Dezember 2011 im Hungerstreik. Aktivist Victor Demynanenko, ebenfalls fälschlicherweise im Gefängnis, hat sich dem Hungerstreik angeschlossen. Sie fordern die Freilassung aller Aktivisten, die im Zuge der Proteste vom 4. Bis 6. Dezember 2011 inhaftiert wurden.


Politischer Gefangener Pusha. Foto: Vor

Pusha wurde in der Nähe von Gostiny Dvor in St. Petersburg während einer friedlichen Versammlung gegen Wahlbetrug inhaftiert. Er wurde nach Artikel 19.3 (Nichtbefolgung polizeilicher Anweisungen) angeklagt. Der Fall wurde von dem Richter Alexej Kuznetsoy angehört, der unter Oppositionellen berüchtigt dafür ist, Falschaussagen der Polizei zu akzeptieren und harte Strafen zu erlassen.
 
Momentan sieht Pusha zudem Strafanzeigen laut Artikel 214 (Vandalismus), 318 (Gewaltanwendung gegen Polizeibeamte), 319 (Beamtenbeleidigung) entgegen.
 
Pusha (Philip Kostenko) ist Aktivist, Künstler und Organisator/Teilnehmer einer Vielzahl von Protestaktionen. Er ist Mitglied der Menschenrechtsorganisation Memorial und aktiv in der „Food Not Bombs“ Bewegung. Philip, der ein Vollwaise ist, wird auf Grund seiner Protest-Aktivitäten regelmäßig von der Strafverfolgung bedroht.
 
Allein in 2011 wurde er 8mal unrechtmäßig inhaftiert. Als Folge wiederholter Durchsuchungen und physischer Bedrohungen durch die Polizei war Pusha vor kurzem gezwungen, seine Wohnung in St. Petersburg zu verlassen.

Source: http://www.berlinbiennale.de/blog/news/voina-mitglied-pusha-im-hungerstreik-im-st-petersburger-gefangnis-17317

Tags: Philip Kostenko Pusha Berlin Biennale 
28 Dez. 2011, 6:45


Kozlenok und Kasper

Oleg Vorotnikov:

“Meine Ehefrau, die Voina-Aktivistin Natalia Sokol lebt jetzt schon seit einem Jahr ohne Papiere. Ihr Personalausweis wurde von einem Polizisten der Spezialeinheit gegen Extremismus des Nordwestlichen Bundesministeriums konfisziert. Sie konfiszierten außerdem ihren Reisepass, ihren Führerschein, ihren Ausweis als wissenschaftliche Assistentin der staatlichen Universität Moskau und ihre Krankenkassenkarte.
 
Neben unzähligen, kleineren Problemen bedeutet dies, dass Natalia keine medizinische Versorgung für ihren zweijährigen Sohn Kasper erhält, da sie sich nicht als seine Mutter ausweisen kann.
 
Sie kann nicht wählen. Am 4. Dezember fanden die Parlamentswahlen statt, an denen sie nicht teilnehmen konnte.
 
Ihre fundamentalen Rechte werden missachtet. Sich innerhalb des Landes zu bewegen, oder auch nur mit ihrem Sohn die öffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen ist unmöglich – Ausweisdokumente sind überall notwendig.
 
Das Kindergeld für Kasper wurde auch eingezogen.
 
Alle Anträge wurden von dem zuständigen Beamten und der Staatsanwaltschaft verweigert.
 
Der Grund für die Verweigerung aller Anträge: die beschlagnahmten Dokumente und Objekte liegen im Interesse der Untersuchungen der Strafsache Nummer 276858.
 
Da weder Natalia noch Kasper offiziell in diese Strafsache involviert sind, scheint es illegal, ihre Dokumente zu konfiszieren und diese Beschlagnahme erscheint wie ein Versuch, Druck auf die Verwandten der Angeklagten auszuüben.”


 
Natalya Sokol:

“In meinem Auftrag beantragte ein Anwalt bei dem zuständigen Beamten Herrn Borodavkin, die Rückgabe meiner Dokumente und des Kindergeldes für meinen Sohn Kasper.
 
Der Antrag wurde abgelehnt (da sollte eine Kopie unter dem ganzen Material des Falles bei der Polizei sein).
 
Anfang Februar schickte ich daraufhin über die normale Post einen zweiten Antrag an den zuständigen Beamten Herrn Petrov, auf den ich noch immer keine Antwort erhalten habe.”

Source: http://www.berlinbiennale.de/blog/news/oleg-vorotnikov-meine-ehefrau-lebt-jetzt-schon-seit-einem-jahr-ohne-papiere-17351

Tags: Berlin Biennale oleg vorotnikov Natalya Sokol Kasper Nienagliadny Sokol 
01 Dez. 2011, 11:45

Artur Żmijewski hat die Gruppe Voina aus Russland und Joanna Warsza aus Warschau zu assoziierten KuratorInnen ernannt, die gemeinsam das Konzept und Programm der 7. Berlin Biennale weiterentwickeln werden.


Vor und Żmij auf der Newa


Voina


Oleg Vorotnikov (a.k.a. Vor), Natalya Sokol (a.k.a. Kozljonok oder Koza), Leonid Nikolajew (a.k.a. Leo the Fucknut) und Kasper Nienagliadny Sokol

Das KünstlerInnenkollektiv Voina (dt.: Krieg) aus Russland wurde 2005 von Oleg Vorotnikov und Natalya Sokol gegründet. Voina engagiert sich in aktionistischer Straßenkunst, die sich gegen die russischen Autoritäten richtet. Ihre Aktionen werden regelmäßig von einer Vielzahl von anonymen AktivistInnen unterstützt. Gegen die Gruppe und ihre AktivistInnen wurden bereits zahlreiche strafrechtliche Prozesse angestrengt. Zuletzt wurden Mitte Oktober 2011 Natalya Sokol und ihr Sohn Kasper für mehrere Stunden in Arrest genommen. Oleg Vorotnikov, Natalya Sokol, Leonid Nikolajew und Kasper Nienagliadny Sokol verweigern die Verwendung von Geld und leben ohne permanenten Wohnsitz in St. Petersburg. Ihr Credo lautet, wie Natalya Sokol erklärt: „Ein Künstler, der sich dem politischen Bewusstsein verschließt, ist nur ein Designer.“

„Wir gehen nicht davon aus, dass die Gruppe Voina als herkömmliche KuratorInnen agieren werden. Vielleicht werden sie an die Türen von Ateliers klopfen, aber sicher nicht, um Kunstwerke auszuwählen, sondern um uns an das Ethos der KünstlerInnen zu erinnern. Sie gehören zu den letzten wenigen Gläubigen, die eine Kunst ausüben, die einen direkten politischen Auftrag hat. Sie verfolgen ihre eigene, grenzenlose, erratische und ernsthafte Praktik in Russland. Haben sie bereits ihr „bestes Kunstwerk“ geschaffen? Vielleicht der riesige Penis auf der Litiejnyj-Brücke in St. Petersburg? Das glauben wir nicht. Ihr bestes Kunstwerk ist die Erinnerung daran, dass wir uns als die Kunstwelt auf dem Weg befinden, zu einer neoliberalen Elite zu werden, die nur noch an finanziellem Gewinn und der Anhäufung symbolischen Kapitals arbeitet.“

(Artur Żmijewski und Joanna Warsza)

Lesen Sie hier Zitate aus einem Gespräch mit Leonid Nikolajew:
http://www.berlinbiennale.de/blog/text/zitate-aus-einem-interview-mit-lonia-jebniety-16754

Weitere Informationen:
http://en.free-voina.org

Letzte Aktionen von Voina:
Aktion „Dick captured by KGB“. 14. Juni 2010
Aktion „Leo the Fucknut is our President!“. 16.–22. Mai 2010


Joanna Warsza

Joanna Warsza, geboren 1976, ist Kuratorin an der Schwelle von darstellender und bildender Kunst. Nach ihrem Abschluss an der Warschauer Akademie für Theater absolvierte sie ein Aufbaustudium an der Tanzfakultät der Universität Paris 8. Sie ist Mitgründerin der unabhängigen Plattform Laura Palmer Foundation (www.laura-palmer.pl). Joanna Warsza arbeitet überwiegend im öffentlichen Raum, wo sie Projekte kuratiert, die soziale und politische Fragestellungen untersuchen, darunter zur Nicht-Sichtbarkeit der vietnamesischen Gemeinde in Warschau, dem Phänomen der israelischen Jugenddelegationen in Polen oder dem post-sowjetischen Architektur-Erbe im Kaukasus. Gemeinsam mit Krzysztof Wodiczko leitet sie ein Seminar zu Konflikt, Trauma und Kunst an der Warschauer Hochschule für Sozialpsychologie sowie eines zur Performativität in der zeitgenössischen Kultur. Sie hat Projekte unter anderem mit dem Berliner Theater Hebbel am Ufer, dem Museum für Moderne Kunst Warschau, dem AICA Armenien, dem GeoAir Tbilisi, dem Centre Pompidou und der Biennale de Belleville, beides in Paris, organisiert. Außerdem ist sie Herausgeberin des Readers Stadium X – A Place That Never Was.
Seit Anfang 2011 arbeitet sie mit Artur Żmijewski an der Entwicklung und Umsetzung des Konzeptes der 7. Berlin Biennale. Joanna Warsza lebt und arbeitet in Berlin und Warschau.

Lesen Sie hier ein Gespräch zwischen Artur Żmijewski und Joanna Warsza:
http://www.berlinbiennale.de/blog/text/ausnahmen-universalisieren-16715


Die 7. Berlin Biennale findet vom 27. April bis 1. Juli 2012 statt.

Die Berlin Biennale wird organisiert von den KW Institute for Contemporary Art und gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes.



Press Release
Berlin, November 28, 2011

Tags: Joanna Warsza Artur Żmijewski Oleg Vorotnikov Natalya Sokol Leonid Nikolajew Kasper Nienagliadny Sokol Leo the Fucknut Kozljonok Koza Berlin Biennale Russland Warschau 
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